Frauengruppen leiten

Hier geht es nochmal um den theoretischen Hintergrund für Tanz zu Dir Selbst. Also um Einstellungen, Haltungen und Werte einer Gruppenleiterin. Mehr dazu auch hier: Tanz zu Dir Selbst – Grundlagen.

Was ist Deine Vision?

Natürlich hast Du Deine Vorstellungen, es gibt ja einen Grund aus dem Du Gruppen leitest oder leiten willst. Du hast eine Vorstellung davon, was Deine Teilnehmerinnen bei Dir lernen bzw. erfahren sollen. Wichtig ist, dass Deine Vision möglichst klar ist. Dass Du Dir ganz genau vorstellen kannst, was Du möchtest, was für Deine Teilnehmerinnen anders sein soll, nachdem sie in Deiner Gruppe waren. Was sollen sie dann können oder erfahren haben?

So eine klare Vision ist für Deine Teilnehmerinnen motivierend und verleiht Dir eine natürliche Autorität. Schließlich sind sie ja zu Deinem Kurs / Seminar gekommen, weil diese Vision sie angezogen hat. Mit einer klaren Vorstellung wird Dir auch die Bewerbung Deines Angebots leicht fallen. Du bist überzeugt davon, Du hast die Methoden um Deine Ideen zu vermitteln und Du kannst das auch gut in Worten ausdrücken. Eine klare Vorstellung zu haben, hilft Dir, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Beziehung wirkt

Eine der Grundlagen unserer Ausbildung für Gruppenleiterinnen sind neben dem dem Welt- und Menschenbild der humanistischen Therapien die Werte, die Carl Rogers (1) in der personzentrierten Therapie definiert hat: Empathie, positive Wertschätzung, Kongruenz und die Beziehung zwischen Leiterin und Teilnehmerinnen selbst. Wenn Du Dir als Gruppenleiterin diese Haltungen aneignest und sie lebst und sichtbar machst, kannst Du allein dadurch Veränderung bei Deinen Teilnehmerinnen ermöglichen. Unterstützt wird das Sichtbar-Machen durch Tanz, Bewegung und Körperarbeit. C. Rogers definiert vor allem die Beziehung selbst als wichtigen Wirkfaktor.

Dabei gehen wir davon aus, dass Menschen den Wunsch haben, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und  sich selbst zu verwirklichen.

Selbstaktualisierung oder Selbstverwirklichung bezeichnet die dem Organismus innewohnende Tendenz zur Entwicklung all seiner Möglichkeiten. Und zwar so, dass sie der Erhaltungung oder Förderung des Organismus dienen.“ (2)

Empathie

Empathische Menschen nehmen Gefühle, Bewertungen, Wünsche oder Interessen ihres Gegenübers war. Also alles, was hinter dem gesprochenen Wort liegt. Und sie können diese verborgenen Inhalte in Worte fassen.

In der Fortbildung lernst Du, Dich als Gruppenleiterin einzufühlen, Dir vorzustellen, „in den Schuhen der Teilnehmerinnen zu gehen“. Du versuchst Dir über die Gefühle, Vorstellungen und Motivationen Deiner Teilnehmerinnen klar zu werden.

Das bedeutet auch, Dass du über den eigenen Tellerrand blicken kannst und Deine eigenen Werte und Normen kennst. Du trainierst die Fähigkeit, andere Vorstellungen zuzulassen. Dabei müssen die bei den Teilnehmerinnen wahrgenommenen Gefühle und Wertvorstellungen nicht mit Deinen überinstimmen. Und du lernst, Dich selbst nicht zu verurteilen, wenn Dir diese Toleranz nicht gelingt.

Empathie

Es geht – auch im Sinne Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation (3) – darum, über die Brücke zu gehen, die Perspektive zu wechseln und sich in die Vorstellungswelt der Anderen zu begeben, ohne die eigenen Haltungen und Empfindungen zu verlieren oder aufzugeben. Das ist wichtig, um bei der Rolle der Gruppenleiterin bleiben zu können.

So entwickeln wir ein Bewusstsein für klare Grenzen. Als Gruppenleiterin weißt Du nicht, was die Teilnehmerin gerade braucht, bzw. was ihr gerade gut tun würde. Du unterstützt sie aber dabei, das heraus zu finden.

Positive Wertschätzung

Eine bedingungslose positive Wertschätzung ist meiner Meinung nach eine der schwierigsten aber auch wirkungsvollsten, förderlichen Einstellungen der Teilnehmerin gegenüber und erfordert eine Menge Selbstwahrnehmung und Eigenreflexion.

Für Dich als Kursleiterin heißt das bei Aufkommen von negativen Gedanken und Gefühlen (z.B. „das sind ja furchtbare Ansichten, wie kann sie so was sagen / tun“, „warum ist sie so ruhig, sie soll sich wehren“, „das ist ja schrecklich, sie tut mir so leid“) einen Schritt zurück zu gehen und wahrzunehmen, was Deine Gefühle und Gedanken sind und was die Gefühle Deiner Teilnehmerin sind.

Das gibt Deinen Kursteilnehmerinnen die Möglichkeit ganz sie selbst zu sein, ohne Bewertungen und Kritik. Bedingungslose positive Wertschätzung ist eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse überhaupt. Wenn Du Dich ganz angenommen fühlst – mit allen vermeintlichen Schwächen und Fehlern – brauchst Du weniger zu verdrängen (4) und bist freier, diesen liebevollen Blick auch auf Dich selbst zu richt. Veränderung wird möglich durch das Annehmen von allem, was ist.

Frauen am Meer

Natürlich ist das nicht einfach. Deshalb ist es wichtig, diesen liebevollen Blick auch Dir selbst als Leiterin gegenüber zu pflegen. Dir klar zu sein, dass Du auch nicht unfehlbar, nicht perfekt bist und gerade in diesem Bereich Fehler passieren können und dürfen. Fehler passieren auch der besten Leiterin. Wichtig ist es, sie zu erkennen, dazu zu stehen und die Situation zu klären.

Kongruenz – Echtheit

Idealerweise ist die Beziehung zwischen Dir als Gruppenleiterin und Deinen Teilnehmerinnen kongruent, also echt. Das bedeutet, dass Du Dich als Person einbringst und Deine Gefühle in Bezug auf das, was gerade in der Gruppe passiert sichtbar machst ohne zu bewerten oder zu verurteilen. Dazu muss Dir der Unterschied zwischen dem, was Du selbst erlebst und Deiner Wahrnehmung von dem was die Anderen erleben, bewusst sein. Das bedeutet, als Gruppenleiterin ist es wichtig, eigene Gefühle und Impulse wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Vereinfacht gesagt: Wenn Du als Gruppenleiterin empathisch, wertschätzend und echt bist, bereitest Du eine „vorbereitete Umgebung“ für Deine Gruppe, in der diese wachsen und jede einzelne Teilnehmerin sich entwickeln kann.


Die Termine für die nächsten Einführungsseminare findest Du hier:

Und alle Informationen zur Fortbildung gibts hier

(1) Carl Rogers, geb. 1902 in den USA, gest. 1987 in Kalifornien, Psychologe und Begründer der klientenzentrierten (später personenzentrierten) Gesprächstherapie

(2) Rogers, C. R.: Eine Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit einem Vorwort von Jürgen Kriz. Reinhardt Verlag, München u. a. 2009. S. 27

(3) Marshall B. Rosenberg, geb. 1934 in Ohio, USA, Begründer „Center for Nonviolent Communication (NVC)“ und Entwickler des Konzepts der „Gewaltfreien Kommunikation“.

(4) Verdrängung“, Begriff aus der Psychoanalyse. Bedrohliche Bewusstseinsinhalte aus dem „Es“ werden nach Sigmund Freud mittels des wertenden „Überichs“ aus der bewussten Wahrnehmung gedrängt.

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