Selbständig mit Tanz - die Sozialversicherung

Selbständig mit Tanz – die Sozialversicherung

Wenn Du Dich als Tanztherapeutin oder Tanzpädagogin selbständig machen möchtest, hast Du wahrscheinlich eine ganze Menge Fragen: Anmeldung, Sozialversicherung, Steuern, Buchhaltung, Werbung usw.

Ich bin seit über 10 Jahren hauptberuflich und seit mehr als 20 Jahren nebenberuflich selbständig. Was das alles bedeutet – rechtlich, versicherungstechnisch, steuerlich usw. – habe ich mit der Zeit selbst herausgefunden.

Damit Du das Rad nicht neu erfinden musst, gibts hier Antworten auf die wichtigsten Fragen am Beginn. Meine Informationen bekomme ich inzwischen über die Webseiten des Finanzamts, der Wirtschaftskammer und der SVA. Die Wirtschaftskammer bietet auch ein Programm für UnternehmensgründerInnen an. Alle Angelegenheiten, in denen ich unsicher bin, kläre ich mit meinem Steuerberater.

Das ist übrigens eine unbedingte Empfehlung: Such Dir eine/n gute/n SteuerberaterIn. Du kannst so viel wie möglich von  den Vorbereitungsarbeiten – also Deiner Buchhaltung – selbst machen, um die Kosten niedrig zu halten. Gesetze ändern sich schnell und Du willst Dich ja in erster Linie mit Deinen Tanzkursen beschäftigen und Dich nicht ständig über Buchhaltungserfordernisse, Steuergesetze und Versicherungsgrenzen auf dem Laufenden halten.

Deshalb gibts auch im folgenden Text weiterführende Links zu umfangreicheren Informationen.

Alle folgenden Informationen gelten für Österreich!

Rechtliche Form

In Österreich fallen Tanzunterricht, Tanztherapie oder auch Tanzaufführungen nicht in die Gewerbeordnung, ein Gewerbeschein ist also nicht nötig. Als TanzpädagogIn übst Du auch keinen freien Beruf aus (wie z.B. ÄrztInnen, ApothekerInnen, RechtsanwältInnen), sondern bist Neue Selbständige. Damit wirst Du auch nicht Mitglied in der Wirtschaftskammer.

Du kannst ausschließlich als Neue Selbständige arbeiten oder nebenberuflich. Du kannst auch die gleiche Tätigkeit (z. B. die Leitung von Tanztherapiegruppen) im Angestelltenverhältnis und gleichzeitig als Neue Selbständige ausüben.

Sozialversicherung

Wenn Du bei Deiner selbständigen Tätigkeit nicht mehr als  € 5.361,72 pro Jahr Gewinn machst (nicht Umsatz – dazu folgt noch ein Beitrag über Buchhaltung) bleibst Du damit unter der Geringfügigkeitsgrenze und musst Dich bei keiner Versicherung melden. Diese Geringfügigkeitsgrenze gilt auch, wenn Du z.B. Einkünfte aus einem Angestelltenverhältnis zusätzlich hast.

Wenn Dein Gewinn über diesem Betrag liegt, bist Du nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz verpflichtet, Dich bei der SVA zu melden. Damit bist Du dann kranken-, pensions- und unfallversichert.

Beginnst Du nicht nebenberuflich und bist auch auf keine andere Weise versichert (z.B. mitversichert), hast Du die Möglichkeit zu einem Opting-In in die Sozialversicherung. Das heißt, Du meldest Dich dort und bezahlst von Anfang an Beiträge. Diese freiwillige Versicherung gilt allerdings nur für Kranken- und Unfallversicherung. Du bist für die Dauer, in der Dein Einkommen geringfügig bleibt, nicht pensionsversichert und sammelst auch keine Beitragsjahre für Deine Pension. Also versuch so einen Zustand so kurz wie möglich zu halten!

Höhe der Beiträge

Mindestbeitragsgrundlage

Die Höhe Deiner SVA-Beiträge orientiert sich an der Beitragsgrundlage, das ist Dein Einkommen laut Steuerbescheid. Zu Beginn Deiner Selbständigkeit gibt es noch keinen Steuerbescheid, deshalb richten sich die Beiträge in den ersten 3 Jahren (bzw. bis zum Vorliegen des ersten Steuerbescheids) nach der Mindestbeitragsgrundlage. Das ist das Einkommen, ab dem Versicherungspflicht besteht – also die oben schon genannten € 5.361,72 pro Jahr.

Beitragssatz

Der Prozentsatz, der zur Berechnung Deines Beitrags herangezogen wird, setzt sich zusammen aus:

18,50 %Pensionsversicherung
7,65 %Krankenversicherung
1,53 %Selbständigenvorsorge (Abfertigung neu) - weitere Informationen hier
27,68 %Gesamtbeitragssatz
+ € 117,48Unfallversicherung, fixer Betrag unabhängig von der Beitragsgrundlage, 2019 € 9,79 monatlich bzw. € 117,48 jährlich

Deine Vorschreibung für das erste Jahr wird also so ausschauen:1

Mindestbeitragsgrundlage
(angenommener Gewinn für das erste Jahr)
€ 5.361,72
27,68 %€ 1.484,12
Unfallversicherung€ 117,48
Gesamt jährlich€ 1.601,60
Gesamt monatlich€ 133,47
Gesamt vierteljährlich€ 400,40

Eine übersichtliche Zusammenstellung dazu findest Du auch hier auf den Seiten der Sozialversicherung. Du kannst in diesem Beispiel jetzt jeden anderen Betrag einsetzen und Dir ausrechnen, wie hoch Deine zu erwartenden Beiträge wirklich sein werden.

Nach Vorliegen Deines ersten Steuerbescheids wird von der SVA die Beitragsgrundlage neu errechnet. Das passiert automatisch – die Daten werden vom Finanzamt an die Versicherung weitergegeben. Eine eventuelle Nachbemessung wird dann in 4 Raten aufgeteilt, die werden im Jahr, das dieser Nachbemessung folgt, zu Deinen quartalsmäßigen Beiträgen dazugerechnet.  Das kann für EPU (Ein-Personen-Unternehmen) eine große Herausforderung sein.

Gerade in den ersten Jahren läuft alles erst an und diese Nachzahlungen können dann schwierig zu bewältigen sein. Wenn Du also im Laufe des ersten (oder zweiten oder dritten) Jahres abschätzen kannst, dass Dein Gewinn über diesen € 5.361,72 liegen wird, kannst Du eine Hinaufsetzung der vorläufigen Beitragsgrundlage beantragen. Damit vermeidest Du spätere Nachzahlungen.

Du kannst diese Nachbelastungen aus den ersten 3 Jahren (sollte es doch passiert sein) auch auf die nächsten 12 Quartale (also die nächsten 3 Jahre) aufteilen lassen. Sollte Deine Arbeit aber inzwischen gut laufen, macht es Sinn, die Nachzahlungen sofort zu bezahlen. Du kannst nämlich alle Beiträge zur Sozialversicherung von  der Steuer absetzen, was wiederum Deinen Gewinn vermindert – und damit die Höhe der Beitragsgrundlage.

Oft ist es auch leichter, die Beiträge monatlich zu bezahlen. Das ist bei der SVA nur möglich, wenn Du eine Einzugsermächtigung erteilst. Alternativ könntest Du Deine Beiträge auch monatlich auf ein Sparbuch überweisen, um nicht vierteljährlich von hohen Summen überrascht zu werden.

Anmeldung bei der Sozialversicherung

Die Anmeldung bei der Sozialversicherung ist auch online möglich – alle Informationen findest Du hier. Den Antrag kannst Du mit Handysignatur online übermitteln. Andernfalls kannst Du Dir das Formular herunterladen, ausfüllen und per Post abschicken.

Leistungen der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)

Krankenversicherung

Mit VertragsärztInnen werden Leistungen direkt abgerechnet (über die E-Card). Es gibt auf alle ärztlichen Leistungen einen Selbstbehalt von 20% (Ausnahme: Krankenhausaufenthalte). Bei WahlärztInnen musst Du die Rechnung zuerst bezahlen und kannst sie dann einreichen. Das ist mit Handysignatur oder Bürgerkarte auch online möglich.

Eigene Regeln gibt es für Heilbehelfe (z.B. Geh-Hilfen). Informationen dazu bekommst Du bei der SVA, ebenso zu den Regelungen bei Schwangerschaft und Geburt.

Ebenso gibt es die Möglichkeit, eine Zusatzversicherung abzuschließen, die dann ein Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit bezahlt (Krankenstand). Dabei erhöht sich Deine Beitragsgrundlage um 2,5%, mindestens aber EUR 30,77  (2019).

Das Krankengeld beträgt dann 60% der Beitragsgrundlage, 2019 mindestens EUR 8,94 (errechnet aus der Mindestbeitragsgrundlage von € 5.361,72). Dieses Krankengeld kann ab dem 4. Tag der Arbeitsunfähigkeit bezogen werden – für maximal 26 Wochen.

Für Arbeitsausfälle, die mindestens 43 Tage dauern zahlt die SVA seit 2018 eine Unterstützungsleistung – auch ohne Zusatzversicherung. Informationen dazu ebenfalls bei der SVA.

Unfallversicherung

Die Unfallversicherung deckt die Behandlung und Rehabilitationskosten von Arbeitsunfällen bzw. Unfällen auf dem Weg von und zur Arbeit. Informationen dazu gibts bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA).

Selbständigenvorsorge (Abfertigung neu)

Die SVA überweist den entsprechenden Beitrag (1,53%) an die jeweilige Vorsorgekasse. Bei Pensionsantritt hast Du dann Anspruch auf dieses Kapital.

Du hast noch Fragen, Ergänzungen oder Anregungen? Melde Dich, hinterlass einen Kommentar oder mail mir einfach!

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Du brauchst mehr Informationen zu dem „ganzen organisatorischen Zeugs“ für Dich als Tanzpädagogin oder Tanztherapeutin (Steuer, Buchhaltung, Werbung, Datenschutz…)? Dann trag Dich am besten hier ein – Du wirst informiert, sobald neue Artikel dazu erscheinen.

1: Beispielrechnung basierend auf der gesetzlichen Grundlage 2019

 

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